Frühgeborenen-Retinopathie

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Erkrankung der Netzhaut nach Frühgeburt | Netzhauterkrankung

Bei einer Frühgeburt kommt es beim Kind häufig zu Schäden an der Netzhaut. Der Grund ist eine Minderentwicklung des Netzhautgewebes und der Blutgefäße. Diese Erkrankung wird Frühgeborenen-Retinopathie (Retinopathia praematurorum) genannt. Es kann zu einer dauerhaften Verminderung der Sehschärfe oder sogar zur Erblindung kommen.

Was ist die Ursache der Netzhauterkrankung bei Frühgeborenen?

Frühgeborene Kinder sind nach der Definition alle Kinder, die vor der Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche geboren werden. Besonders gefährdet für Netzhautschäden sind Frühgeborene, die vor der 32. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen oder bei der Geburt weniger als 1500 Gramm wiegen.

Durch die Frühgeburt kommt es dazu, dass das Blut des Kindes durch die schon vorhandene Atmung wesentlich mehr Sauerstoff enthält als das eines Ungeborenen. Wird ein Frühgeborenes beatmet, so steigt dieser Sauerstoffgehalt noch weiter an. Durch den vermehrten Sauerstoff im Blut wird die Entwicklung der Netzhaut, die normalerweise bis kurz vor der Geburt andauert, gehemmt. Zunächst kommt es zur mangelhaften Ausbildung und zur Verödung von Gefäßen. Sinkt dann (z. B. nach Absetzen der Beatmung) der Sauerstoffgehalt des Blutes wieder, so ist das wiederum ein Anreiz zur Neubildung von Blutgefäßen. Krankhafte Gefäße können auswuchern. Sie verlaufen oft nicht nur an der Netzhaut, sondern auch im Glaskörper und bilden dann auch Bindegewebsstränge und -membranen. Die Folge kann eine erhebliche Zugwirkung auf die Netzhaut mit der Gefahr der Netzhautablösung oder eine eventuelle Glaskörperblutung sein. Schließlich kann das Gewebe der Gefäße, der Stränge und der Netzhaut miteinander verwachsen und eine Narbe bilden.

Welche Symptome zeigen sich bei der Frühgeborenen-Retinopathie?

Nach dem Schweregrad der Retinopathie werden Stadium 1 bis 5 unterschieden. In den meisten Fällen entwickelt sich nur eine geringgradige Netzhauterkrankung, und es kommt zur folgenlosen Ausheilung mit normaler Sehschärfe, bei der nur in den äußeren Netzhautbereichen Anzeichen vom Augenarzt gesehen werden können (so genannte Demarkationslinie oder eine Art Leiste). Bei schwereren Schäden kommt es zur Sehverschlechterung oder zur Erblindung der betroffenen Augen. Dies kann manchmal auch als Schielen auffällig werden. Nach narbiger Veränderung kann manchmal von außen ein weißliches Aufleuchten der Pupille sichtbar sein (Leukokorie). Im Extremfall kann es zur Augapfelschrumpfung kommen.

Welche Untersuchungen führt der Augenarzt durch?

Die Diagnose der Frühgeborenen-Retinopathie geschieht durch eine Betrachtung des Augenhintergrundes. Dazu werden die Pupillen mit bestimmten Augentropfen erweitert. Wird ein frühgeborenes Kind untersucht, so muss meist das Auge mit Tropfen betäubt werden und ein Lidsperrer eingesetzt werden. Der Arzt sucht am Augenhintergrund nach den typischen Anzeichen der Netzhauterkrankung. Routinemäßig erfolgt die Untersuchung der Augen durch einen Augenarzt bei jeder Frühgeburt mit erhöhtem Retinopathie-Risiko, also bei Geburt vor der 32. Schwangerschaftswoche oder bei unter 1500 Gramm Körpergewicht.

Welche Behandlung ist bei der Frühgeborenen-Retinopathie angezeigt?

Die Behandlung richtet sich nach der Schwere der Schäden. Bei geringen Veränderungen ist meist keine Therapie erforderlich. Eine mittelgradige Netzhauterkrankung nach Frühgeburt wird durch eine Laserbehandlung (Laserkoagulation) oder durch eine Vereisung (Kryokoagulation) behandelt. Hierzu ist beim Kind eine Vollnarkose erforderlich, um den Behandlungserfolg nicht zu gefährden. Bei ausgeprägten Veränderungen mit Narbenbildung, Netzhautablösung oder Glaskörperblutung ist gegebenenfalls eine spezielle Operation erforderlich.

Muss der frühgeborene Patient auch im späteren Leben etwas beachten?

Da sich auch später noch Schäden entwickeln können, sind in bestimmten Abständen Untersuchungen durch den Augenarzt zur Nachkontrolle erforderlich. Diese sollten vom Betroffenen wahrgenommen werden, damit eine eventuelle weitere Sehverschlechterung (z. B. durch Netzhautablösung) durch gezielte Behandlung verhindert werden kann. Der Augenarzt legt fest, wann diese Nachsorgeuntersuchungen stattfinden.


Letzte Aktualisierung am 29.07.2015.
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