Weitsichtigkeit

Lesezeit: 4 Min.

Hyperopie | Weitsichtiges Auge | Hypermetropie

Weitsichtigkeit (Hyperopie, Hypermetropie) ist eine Fehlsichtigkeit, bei der ein scharfes Sehen im Nahbereich nicht mehr möglich ist. Grund dafür ist, dass der Augapfel im Verhältnis zu kurz ist und die Brechkraft der Hornhaut und der Linse zu gering. Mit einer Brille oder mit Kontaktlinsen kann eine Weitsichtigkeit ausgeglichen werden. Eine moderne Methode ist die Korrektur der Weitsichtigkeit durch bestimmte Augenoperationen (Refraktive Chirurgie).

Was führt zu einem unscharfen Sehen in der Nähe?

In den meisten Fällen ist ein weitsichtiges (hyperopes) Auge zu kurz. Dieser Zustand wird als Achsenhyperopie bezeichnet. Bisweilen ist auch die Brechkraft der klaren Medien (Hornhaut, Augenlinse) zu gering, was dann Brechungshyperopie genannt wird. Beides sorgt dafür, dass Lichtstrahlen, die aus einem Punkt in der Nähe auf das Auge treffen, nicht stark genug gebrochen werden. Sie kommen auf der Netzhaut am Augenhintergrund noch nicht in einem Brennpunkt zusammen, sondern würden erst hinter der Netzhaut einen (virtuellen) Brennpunkt bilden. Es entsteht ein Bild, das unscharf ist. Je weiter der theoretische Brennpunkt hinter der Netzhaut liegt, desto geringer ist die Sehschärfe im Nahbereich.

Welche Ursachen können eine Weitsichtigkeit (Hyperopie) bedingen?

In den allermeisten Fällen handelt es sich um eine erbliche Weitsichtigkeit. Eine zumindest mäßige Hyperopie (+1 Dioptrie oder mehr) betrifft in jungen Jahren etwa jeden fünften Mensch in Europa.

Im Alter kommt es bei allen Menschen zu einer Versteifung der Augenlinse. Die Brechkraft kann nur noch erschwert oder gar nicht mehr verändert werden, und bei vorheriger Normalsichtigkeit kommt es praktisch zu einer Weitsichtigkeit, weil zwar in der Ferne noch scharf gesehen werden kann, das Bild in der Nähe jedoch verschwommen ist. Dies wird als Alterssichtigkeit oder Altersweitsichtigkeit (Presbyopie) bezeichnet und in aller Regel von der eigentlichen Weitsichtigkeit (Hyperopie) abgegrenzt.

Weitere Ursachen sind sehr selten. Bei Fehlen der Augenlinse nach einer Operation am Grauen Star, bei der keine Kunstlinse eingesetzt wurde, wird das Auge stark weitsichtig. Ebenfalls kann dies bei Verrutschen der Augenlinse aus der optischen Achse heraus (Linsenluxation) der Fall sein.

Welche Beschwerden hat der Weitsichtige?

Der weitsichtige Patient kann Objekte in der Nähe ohne Hilfsmittel nicht scharf sehen. Im jüngeren Alter kann eine nicht zu starke Weitsichtigkeit durch Verformung der Linse ausgeglichen werden (so genannte latente Hyperopie). Es kommt allerdings durch die ständige Beanspruchung des dafür zuständigen Muskels (Ziliarmuskel) zu Beschwerden wie Kopfschmerzen, Augenschmerzen, Augenmüdigkeit und manchmal sogar zur Lidrand- und Bindehautentzündung. Zudem kann ein Schielen nach innen verursacht werden. Ist die Korrektur durch die Linsenverformung (Akkommodation) nicht ausreichend, so ist der Nahbereich für den Patienten unscharf. Bei stärkerer Weitsichtigkeit dehnt sich der unscharfe Bereich auch auf fernere Gegenstände aus.

Welche Untersuchungen werden zur Feststellung der Weitsichtigkeit durchgeführt?

Die Weitsichtigkeit kann oft schon durch die Schilderung der Beschwerden durch den Patienten in der so genannten Anamnese vom Augenarzt vermutet werden. Damit die Diagnose gesichert werden kann, erfolgen mehrere Untersuchungen. Anfangs wird in der Regel eine so genannte objektive Refraktionsbestimmung durchgeführt. Dazu wird die Brechkraft des Auges, die in Dioptrien (dpt) angegeben wird, an einem Messgerät bestimmt (z. B. am Topcon®). Um eine latente Weitsichtigkeit zu entdecken, sollte die Verformung der Linse (Akkommodation) mit bestimmten Augentropfen verhindert werden. Dann wird ein Sehtest mit einer objektiven Refraktionsbestimmung vorgenommen, bei der der Patient unterschiedliche Korrekturgläser vor das Auge gesetzt bekommt und anhand von Zeichen (z. B. auf einer Sehprobentafel) angeben muss, wann die Sehschärfe am besten ist. Bisweilen wird auch eine andere Untersuchung (Skiaskopie) mit einem speziellen Instrument durchgeführt, z. B. wenn ein normaler Sehtest nur eingeschränkt oder nicht möglich ist. Dies kann z. B. bei kleineren Kindern der Fall sein. Des Weiteren wird vom Augenarzt auch der Augenhintergrund unter Vergrößerung betrachtet, weil an der Netzhaut und am Sehnerv oft typische Zeichen eines weitsichtigen Auges zu sehen sind.

Womit kann die Weitsichtigkeit (Hyperopie) korrigiert werden?

Da die Struktur des Auges der Grund für die Weitsichtigkeit ist, helfen Maßnahmen wie z. B. ein „Augentraining“ nicht. Die Sehschärfe kann also nur über eine Brechkraftveränderung verbessert werden.

Mit einem Plusglas (Konvexglas, Sammellinse) vor dem Auge kann die Weitsichtigkeit ausgeglichen werden. Das ist ein Brillenglas oder eine Kontaktlinse, die so geschliffen ist, dass die Oberfläche eine Krümmung nach außen aufweist, also konvex ist. Auftreffende Lichtstrahlen werden nach innen abgeknickt. Wenn sie dann in das Auge gelangen, liegt der Brennpunkt bei einem richtigen Brechkraftwert der Linse wieder auf der Netzhaut. Es sollte möglichst die stärkste Korrektur, bei der der Patient noch scharf sieht, getragen werden.

Besteht nur eine geringgradige Weitsichtigkeit im jungen Alter, ohne dass der Patient Beschwerden hat, so kann mit der Korrektur auch noch gewartet werden.

In den letzten Jahrzehnten werden immer häufiger und routinierter Operationen am Auge durchgeführt, mit denen sich eine Fehlsichtigkeit (also auch Weitsichtigkeit) ausgleichen lässt, so dass der Patient keine Brille oder Kontaktlinsen mehr benötigt. Diese Eingriffe werden als Refraktive Chirurgie bezeichnet. Von diesen Operationen wird am häufigsten eine Laserbehandlung der Hornhaut (z. B. LASIK) durchgeführt, bei der die Weitsichtigkeitskorrektur auf mäßige Werte begrenzt ist. Eine andere Möglichkeit auch bei hoher Hyperopie ist das Einsetzen einer Kunstlinse in das Auge (beispielsweise phake Intraokular-Linse, Refraktiver Linsenaustausch). Wie bei allen Operationen kann es, wenn auch seltene, Komplikationen geben, z. B. Infektionen oder Über- und Unterkorrektur. Häufig ist der Patient nach dem Eingriff blendungsempfindlich. In der Regel werden die Kosten für eine solche Operation von der Krankenversicherung nicht getragen, da sich die Fehlsichtigkeit durch Brillen oder Kontaktlinsen bereits gut ausgleichen lässt.


Letzte Aktualisierung am 29.07.2015.
War dieser Artikel hilfreich?
Augenarzt
A. Brünnert
Fachärztin für Augenheilkunde | Augenärztin
in 22399 Hamburg
N. Nehus
Fachärztin für Augenheilkunde | Augenärztin
in 28239 Bremen
Dr. S. Jaeck
Fachärztin für Augenheilkunde | Augenärztin
in 12165 Berlin
Alle anzeigen Zufall