Grüner Star | Glaukom | Operation

Lesezeit: 5 Min.

Glaukomchirurgie | OP und Laserbehandlung des Grünen Stars

Grundlagen


Der Grüne Star (Glaukom) ist eine Augenkrankheit, bei dem der Sehnerv durch einen relativ zu hohen Augeninnendruck geschädigt wird. Grüner Star kann bis zur Erblindung führen. Für die Erkrankung gibt es verschiedene Ursachen. Wenn nichtoperative Methoden wie z. B. die Gabe von Augentropfen zur Therapie nicht ausreichen, ist eine Operation am Grünen Star oder eine spezielle Laserbehandlung angezeigt.

Der Grüne Star (Glaukom) und seine Formen

Bei einem Glaukom ist der Augendruck für das jeweilige Auge zu hoch. Das bedeutet, dass Schäden am Sehnerv auftreten, die zu Gesichtsfeldausfällen führen können. Bei stark fortgeschrittener Schädigung kann es zur Blindheit des Auges kommen. Ein Grüner Star kann auf unterschiedliche Weise entstehen.

Bei der mit Abstand häufigsten Art des Glaukoms, das zu über 90 % der Glaukomfälle vorliegt, stören Ablagerungen den normalen Abfluss des Wassers aus der Augenvorderkammer (primäres Offenwinkelglaukom). Ein erhöhter Augendruck wird aufgebaut. Die Ablagerungen finden sich am Maschenwerk des Kammerwinkels, durch das normalerweise die Flüssigkeit der Vorderkammer nach außen in einen Kanal und von dort aus in das ableitende Venensystem fließt. Da das Augenwasser jedoch im gleichen Maße wie vorher nachgebildet wird, ist der Augendruck längerfristig erhöht. Es kommt daher über Jahre zu einer allmählich fortschreitenden Schädigung des Sehnervs. Der Patient bemerkt allerdings über längere Zeit nichts. Deshalb können Vorsorgeuntersuchungen sehr wichtig sein. Erst wenn es bereits zu mittelgroßen Gesichtsfeldausfällen gekommen ist, werden diese wahrgenommen.

Auf andere Weise entsteht die Augendruckerhöhung bei einem Winkelblockglaukom (Engwinkelglaukom, so genannter Glaukomanfall). Die Regenbogenhaut des Auges (Iris) setzt sich so vor dem Kammerwinkel, dass ein Abfluss nicht möglich ist. Dies kann vor allem dann geschehen, wenn die Vorderkammer des Auges zu flach ist oder das Kammerwasser nicht ungehindert zwischen Regenbogenhaut und Augenlinse hindurchströmen kann. In diesem Fall bläht sich die Regenbogenhaut auf und wölbt sich so vor den Kammerwinkel, dass ein Abfluss stark erschwert oder unmöglich ist. Beim Glaukomanfall kommt es zur rasch einsetzenden starken Augendruckerhöhung. Der Patient bemerkt meist starke Schmerzen und ein akutes Verschwommensehen. Manchmal können Allgemeinsymptome wie z. B. Übelkeit und Erbrechen bestehen. Es kann innerhalb von Stunden bis Tagen zur dauerhaften Sehverschlechterung kommen, so dass eine kurzfristige Therapie notwendig ist.

Von einem Sekundärglaukom spricht man, wenn andere Erkrankungen für die Entstehung des Grünen Stars verantwortlich sind. So kann ein sekundäres Offenwinkelglaukom vorkommen. Bei dieser Form verlegen Zellen oder andere Materialien das Maschenwerk des Kammerwinkels, die durch andere Krankheiten in die Augenvorderkammer gelangen. Die Zellen können z. B. Entzündungszellen oder rote Blutkörperchen bei Blutungen im Auge sein. Ebenso kann auch ein sekundäres Winkelblockglaukom entstehen, indem z. B. Anhaftungen der Regenbogenhaut an der Hornhaut bestehen (vordere Synechien) oder sich Gefäße neu bilden (Rubeosis iridis, vor allem bei Diabetes mellitus).

Es kann auch ein angeborener Grüner Star (kindliches Glaukom) vorkommen. Dabei hat sich Gewebe im Maschenwerk nicht genug zurückgebildet und verhindert den Abstrom der Flüssigkeit aus der Vorderkammer. Durch den erhöhten Druck vergrößern sich die Augen, und es kommt zu Schäden wie bei den anderen Glaukomarten.

Untersuchungen beim Glaukom

Durchgeführt werden die Anamnese (Befragung des Patienten) sowie die augenärztlichen Grunduntersuchungen mit Sehtest und Betrachtung des Auges unter Vergrößerung. Wichtig ist die Beurteilung des Augenhintergrundes. Eine Erweiterung der Pupille durch Augentropfen wird dazu vorgenommen, sofern dies nicht zu gefährlich ist, z. B. beim Glaukomanfall. Insbesondere der Sehnervenkopf muss genau betrachtet werden, da dessen Aushöhlung bei fortschreitendem Glaukom stärker wird. Der Augendruck wird gemessen (Tonometrie),wozu verschiedene Methoden zur Verfügung stehen. Es kann auch ein Tagesdruckprofil angelegt werden, um den Druckverlauf zeitlich verfolgen zu können. In der Gesichtsfelduntersuchung wird festgestellt, wie stark die Gesichtsfeldeinschränkungen schon fortgeschritten sind. Bei einer Kontaktglasuntersuchung wird mit einer auf das Auge aufgesetzten Speziallupe der Kammerwinkel beurteilt. Spezielle Untersuchungsmethoden beim Glaukom sind z. B. Papillentomographie, OCT, Nervenfaseranalyse und ERG.

Nichtoperative Behandlungsmöglichkeiten beim Glaukom

Vor allem beim Offenwinkelglaukom kann es in vielen Fällen ausreichend sein, eine Behandlung mit Augentropfen durchzuführen. Gegeben werden können verschiedene Wirkstoffe, beispielsweise Beta-Blocker oder Substanzen zur Pupillenverengung. Auch die Gabe in Form von Tabletten oder Infusionen ist möglich, vor allem zur akuten Behandlung eines Glaukomanfalls kann dies sinnvoll sein.

Möglichkeiten der Laserbehandlung und Operation des Grünen Stars

Wenn die Therapie mit Augentropfen beziehungsweise Arzneimitteln keine genügende Besserung bringt oder vom Patienten nicht vertragen wird, erfolgt eine operative Therapie oder eine Laserbehandlung. Es gibt mehrere Behandlungsprinzipien. Das jeweilige Verfahren wird abhängig von der Art und Schwere des Glaukoms ausgewählt.

Zerstörung des Maschenwerks im Kammerwinkel mittels Laser (ALT)

Bei der Argon-Laser-Trabekuloplastik (ALT, ALTP) werden Laserstrahlen über ein Kontaktglas auf das Maschenwerk im Kammerwinkel gelenkt. Die entstehenden Laserherde bewirken ein Zusammenziehen des Gewebes an diesen Stellen und somit eine Vergrößerung der Öffnungen, durch die das Wasser abfließen kann.

Filtrierende Operationen

Zu den Filtrationsoperationen gehören die Goniotrepanation, die Trabekulektomie sowie mehrere Verfahren der Ventil-Operation. Prinzip aller dieser Eingriffe ist es, ein Stück aus der Lederhaut (einer der Hüllen des Augapfels) sowie auch aus der Regenbogenhaut zu entfernen, damit an dieser Stelle eine Abflussöffnung nach außen entsteht. Damit das Wasser nicht völlig ungehindert ausfließen kann, wird Bindehaut über diese Stelle genäht. Es entsteht ein so genanntes Sickerkissen oder Filterkissen. Bei den Ventil-Operationen wird zusätzlich ein Schlauchimplantat eingesetzt, über das das Wasser hinausfließt.

Schaffung einer Öffnung in der Regenbogenhaut (Iris)

Dieses Verfahren eignet sich zur Behandlung eines Glaukomanfalls mit Verlegung des Kammerwinkels durch die Regenbogenhaut. Durch eine künstliche Öffnung wird erzielt, dass das Kammerwasser wieder von der Hinterkammer in die Vorderkammer fließen kann. Die aufgeblähte Regenbogenhaut wird wieder flach und verlegt nicht mehr den Kammerwinkel. Die Lücke in der Regenbogenhaut wird chirurgisch (Iridektomie) oder mittels Laser (Iridotomie) geschaffen.

Einschnitt des Kammerwinkels

Beim kindlichen Glaukom wird das minderentwickelte Maschenwerk am Kammerwinkel auf unterschiedliche Weise eröffnet. Zu den Methoden hierfür gehören Trabekulotomie und Goniotomie. Die hier undurchlässige Membran zwischen Vorderkammer und Abflusskanal, in der sich normalerweise Öffnungen bilden, wird operativ aufgetrennt.

Zerstörung des Kammerwasser produzierenden Gewebes (Zyklodestruktion)

Bei Erfolglosigkeit der möglichen anderen Methoden kann ein Teil des Gewebes zerstört werden, das die Kammerflüssigkeit bildet (Ziliarkörper). Wenn weniger Wasser gebildet wird, wird auch ein weniger hoher Druck aufgebaut. Die Gewebeeinschmelzung kann durch Laser (Zyklophotokoagulation) oder Vereisung (Zyklokryokoagulation) geschehen.

Weitere operative Vorgehensweisen

Manchmal wird eine Viskokanalostomie mit tiefer Sklerektomie durchgeführt. Dabei wird der Abflusskanal erweitert und die Lederhaut ausgedünnt.

Heute nur noch selten vorgenommen wird die Methode der Zyklodialyse.

Komplikationen der Eingriffe bei Grünem Star

Die Komplikationen unterscheiden sich bei den einzelnen Eingriffen. Bei den Lasermethoden ist es nicht völlig auszuschließen, dass das Sehvermögen durch Laserstrahlen dauerhaft geschädigt wird. Der Augendruck kann manchmal erhöht statt erniedrigt werden. Bei den Operationen kann es zu Blutungen, Nachblutungen und Infektionen kommen. Ein Filterkissen kann undicht sein oder nicht funktionieren. Schäden durch die Operation, die zur Herabsetzung der Sehkraft, zur Erblindung oder zum Verlust des Auges führen, sind sehr selten.

Verhalten nach einer Augenoperation

Am Folgetag wird durch den Augenarzt eine Kontrolluntersuchung mit Sehtest und Augendruckbestimmung durchgeführt. Mit dem jeweiligen operierten Auge sollte der Patient besonders vorsichtig umgehen. Er sollte sich körperlich nicht anstrengen und nicht schwimmen gehen. Make-up sollte in der Folgezeit nicht angewendet werden. Augentropfen und Medikamente, die vom Arzt angeordnet wurden, sollten wie besprochen angewendet werden.

Wichtig insbesondere nach einer Glaukom-Operation ist die regelmäßige Kontrolle des Augeninnendruckes und des Sehnervs, um ein Wiederauftreten (Rezidiv) der Erkrankung rechtzeitig zu erkennen. Daher sollten Kontrolluntersuchungen wahrgenommen werden.

Erfolgsaussichten

Die Erfolgsaussichten sind abhängig von der Art des Glaukoms und dem vorgenommenen Eingriff. Bei guter Auswahl des Verfahrens ist in vielen Fällen eine Absenkung des Augendruckes und ein Aufhalten der Schäden möglich. Dennoch kann es vorkommen, dass ein Grüner Star nicht erfolgreich bekämpft werden kann und die Operation wiederholt werden muss. Oft muss dann auch ein anderes Verfahren zum Einsatz kommen. Bereits eingetretene Glaukomschäden (z. B. Gesichtsfeldausfälle) können auch durch eine Operation nicht wieder rückgängig gemacht werden.


Letzte Aktualisierung am 29.07.2015.
War dieser Artikel hilfreich?