Grundlagen zu Operationen bei Augenverletzungen
Verletzungen am Auge können verschiedene Strukturen betreffen und ein höchst unterschiedliches Ausmaß annehmen. Oft ist eine konservative Behandlung ausreichend, in einigen Fällen muss die jeweilige Verletzung aber auch operiert werden.
Welche Verletzungen am Auge sind häufig?
Mechanische Verletzungen entstehen bei
Gewalteinwirkung jeglicher Art auf das Auge, z. B. durch Unfälle, Faustschlag, umherfliegende Gegenstände, spitze oder scharfe Objekte, Tierbiss und viele weitere Möglichkeiten. Es können praktisch alle Anteile des Auges geschädigt werden.
Zu den häufigsten Verletzungen im Augenbereich gehören Lidverletzungen. Kleine Verletzungen der Lider müssen manchmal nicht speziell behandelt werden. Oft ist eine Lidnaht notwendig. In schweren Fällen muss eine aufwändigere Lidoperation (Blepharoplastik) durchgeführt werden.
Auch die Tränenkanäle, die zu den ableitenden Tränenwegen gehören, können verletzt beziehungsweise durchtrennt werden. Eine Operation ist dann erforderlich.
Bindehaut und Hornhaut sind ebenfalls häufig verletzt. Die Bindehaut muss oft vernäht werden, die Hornhaut wird meist mit nichtoperativen Methoden behandelt, es sei denn, sie ist komplett durchtrennt.
In jedem Falle als schwerwiegend anzusehen sind Verletzungen mit Eröffnung des Augapfels (
perforierende Verletzungen). Hornhaut oder Lederhaut sind dabei durchbohrt oder durchschnitten worden oder gerissen. Bei solchen Verletzungen besteht die Gefahr einer schweren Infektion des Augeninneren. Fremdkörper können noch im Auge stecken. Praktisch jede Struktur des Auges kann in die Verletzung mit einbezogen sein, z. B. Regenbogenhaut (Iris), Linse oder Netzhaut. In vielen Fällen ist eine Operation notwendig.
Zu den Verletzungen gehören auch Fremdkörper sowie Verätzungen und Verbrennungen. Fremdkörper müssen entfernt werden, Verätzungen und Verbrennungen werden zumindest im akuten Stadium mit nichtoperativen Methoden behandelt.
Was kann der Laie am Unfallort tun?
Schwere mechanische Verletzungen erfordern einen vorsichtigen Umgang durch Helfer. Sie sollten sauber abgedeckt werden, ohne jedoch einen Druck auf den Augapfel auszuüben. Fremdkörper, die nicht nur oberflächlich sind, müssen belassen werden und erst vom Arzt entfernt werden.
Verätzungen müssen sofort intensiv gespült werden. Hierzu kann beinahe jede neutrale Flüssigkeit, die vorhanden ist, verwendet werden, z. B. Wasser, Tee oder Limonade. Nur Milch sollte nicht verwendet werden. Zur Spülung muss das betroffene Auge von einem Helfer aufgehalten werden, um den Lidkrampf zu überwinden.
Welche Untersuchungen werden bei Verletzungen durchgeführt?
Der Verletzte wird nach dem Unfallhergang befragt. Ein
Sehtest wird, soweit möglich, durchgeführt. Dann
betrachtet der Augenarzt das Auge. Der vordere Augenabschnitt wird nach Schäden und Fremdkörpern sowie Anzeichen einer Durchbohrung des Augapfels durchsucht. Der
Augendruck wird vorsichtig gemessen. Der
Augenhintergrund muss betrachtet werden, um Schäden wie Wassereinlagerungen (Berlin-Ödem), Blutungen, Fremdkörper oder Netzhautablösung feststellen zu können. Eine Weitstellung der Pupille verbessert zwar den Einblick für den Arzt, sollte aber oft erst unterlassen werden, da unter anderem Schäden an der Regenbogenhaut (Iris) entstehen können.
Operationen, die bei bestimmten Verletzungen vorgenommen werden
Je nach der Schwere und Art der Verletzung am Auge kann eine Operation notwendig werden. Neben der Operation selbst wird die Gabe von Medikamenten und Augentropfen, z. B. Antibiotika, notwendig. Auch ein ausreichender Tetanusschutz ist wichtig, eine Impfung muss gegebenenfalls durchgeführt werden.
Verletzungen am Lid werden, wenn sie nicht zu ausgedehnt sind, unter örtlicher Betäubung durch eine
Naht behandelt. Zu beachten für den Augenarzt ist, dass eventuelle Fremdkörper entfernt werden müssen. Bei schweren Lidverletzungen müssen umfangreichere Methoden angewendet werden (Lidplastik, Blepharoplastik), gegebenenfalls muss Gewebe entfernt, verschoben oder von anderer Stelle des Körpers entnommen und am Lid eingefügt werden.
Wenn ein
Tränenkanal mit in die Verletzung einbezogen ist, muss eine spezielle Tränenwegsoperation erfolgen. Dazu ist eine Vollnarkose notwendig. Um den regelrechten Abfluss zu erhalten, wird ringförmig ein Schläuchlein zur Schienung eingeführt (Ringintubation). Das Gewebe wird vernäht. Der Schlauch wird nach drei Monaten oder später wieder entfernt.
Eine oberflächliche Verletzung der
Hornhaut wird meist mit Augensalbe behandelt und heilt in aller Regel nach Stunden bis Tagen wieder zu. Eine Verletzung der
Bindehaut muss
genäht werden, wenn die Wunde nicht sehr klein ist und klafft. Oberflächliche Fremdkörper auf Bindehaut oder Hornhaut werden unter örtlicher Betäubung mit Augentropfen mit einem Wattetupfer oder mit einer speziellen Fremdkörpernadel herausgeholt (
Fremdkörperentfernung). Oft ist ein Umklappen (Ektropionieren) des Oberlides notwendig. Bestehen noch Reste nach der Entfernung eines Hornhautfremdkörpers, so wird ein feiner Bohrer verwendet, um diese vorsichtig herauszuhobeln.
Eine Verletzung, bei der der
Augapfel eröffnet wurde, bedarf meist einer
größeren Operation. Falls sich noch Fremdkörper im Auge befinden, so müssen diese
entfernt werden. Der Augapfel wird so vernäht, dass er wieder intakt ist (
Hornhautnaht, Skleranaht). Zuvor müssen gegebenenfalls weitere Maßnahmen erfolgen, um Verletzungen im Augeninneren zu behandeln. Falls das Auge so stark geschädigt ist, dass es nicht erhalten werden kann, so muss es unter Umständen gleich entfernt werden. Es kann dann ein Kunstauge (Glasauge) angefertigt werden.
Nach Verletzungen können sich
Folgeschäden bilden, die möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt operativ behandelt werden müssen. So kann sich eine Linsentrübung auf den Verletzungsreiz hin ausbilden (verletzungsbedingter Grauer Star, traumatische Katarakt). Um die Sehschärfe wiederherzustellen, wird die Linse dann herausoperiert und durch eine Kunstlinse ersetzt. Nach einer Verletzung kann der Augendruck erhöht sein (Glaukom), was dann oft einer entsprechenden Operation bedarf.
Welche Komplikationen können durch die Operation entstehen?
Die Operation bei einer Augenverletzung dient der Verhinderung oder Reduzierung von Folgeschäden. Dennoch kann unter Umständen durch den Eingriff der Zustand verschlimmert werden. Die Risiken unterscheiden sich von Eingriff zu Eingriff. Es kann zu Blutungen und Nachblutungen kommen. Infektionen, die unter Umständen sehr schwerwiegend sein können, können auftreten. Strukturen des Auges oder der Umgebung können geschädigt werden. Im Extremfall kommt es zur Blindheit oder zum Verlust des Auges.
Prognose bei Augenverletzungen
Die Prognose unterscheidet sich stark nach den jeweiligen Verletzungen und dem Schweregrad. Viele Verletzungen sind als eher
harmlos anzusehen und heilen folgenlos ab. Es sind ebenso aber auch sehr
schwere Verletzungen möglich, bei denen eine dauerhafte Sehverschlechterung, eine Erblindung oder sonstiger Funktionsausfall möglich ist. Hier kann eine Operation dazu dienen, die Schäden zu verringern. Im schlimmsten Fall kann das Auge nicht erhalten werden.
Letzte Aktualisierung am 11.09.2009.