Bakteriologie | Infektion am Auge durch Bakterien

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Untersuchung auf Bakterien | Bakterielle Infektionen am Auge

Was genau bezeichnet Bakteriologie?

Bakteriologie, die Lehre von den Bakterien, ist die Wissenschaft, bei der es um den Aufbau und die Funktion sowie in der Medizin insbesondere um den Nachweis und die Einordnung von Bakterien geht. Dies ist auch in der Augenheilkunde von Bedeutung, da einige Infektionen von Bakterien am Auge vorkommen.

Die medizinische Bakteriologie ist dafür zuständig, im Labor zu untersuchen, um welche Bakterien es sich bei Erkrankungen bestimmter Patienten handelt. Durch den Nachweis einer bestimmten Bakterienart und weitergehende Untersuchungen kann eine Therapieempfehlung an den behandelnden Arzt abgegeben werden.

Bakterielle Infektionen in der Augenheilkunde

Bakterielle Entzündungen am Auge sind zwar insgesamt weniger häufig als Entzündungen anderer Ursache, dafür sind Bakterieninfektionen oft schwerwiegender. Zu den bakteriellen Infektionskrankheiten am Auge gehören:

  • Bindehautentzündung
    Eine bakterielle Bindehautentzündung (bakterielle Konjunktivitis) wird häufig durch Bakterien wie Staphylokokken, Streptokokken, Pneumokokken oder Pseudomonas verursacht. Es kommt meist zu einer eitrigen Rötung der Bindehaut. Eine Sonderform der bakteriellen Bindehautentzündung ist z. B. die Neugeborenen-Konjunktivitis (meist durch Chlamydien oder Gonokokken).

  • Hornhautentzündung und Hornhautgeschwür
    Die bakterielle Entzündung der Hornhaut (bakterielle Keratitis) kann z. B. durch Tragen verunreinigter Kontaktlinsen, durch Hornhautverletzungen oder durch Entzündungen in der Umgebung entstehen. Erreger dieser Infektion sind häufig Streptokokken und Pneumokokken, aber auch viele andere Bakterien können eine Hornhautentzündung verursachen. Es kommt zu Schmerzen, Lichtempfindlichkeit und einer Bindehautrötung. Es kann ein Hornhautgeschwür (Ulcus corneae) entstehen, das im Extremfall durchbrechen kann, so dass die Vorderkammer eröffnet ist und das Auge so stark geschädigt wird, dass es eventuell nicht mehr funktionstüchtig ist oder entfernt werden muss.

  • Entzündung der Gefäßhaut
    Die Gefäßhautentzündung wird unterschieden in die Regenbogenhautentzündung (Iritis) und die Aderhautentzündung (Chorioiditis), die auch beide kombiniert vorkommen können. Die Iritis wird nur selten durch Bakterien verursacht, bei der Chorioiditis kommen unter anderem Tuberkulose und Syphilis in Frage. Es kann zur Sehverschlechterung, zu Schmerzen und dauerhaften Schäden kommen.

  • Entzündung im Augeninneren
    Eine Entzündung durch Bakterien im Auge (Endophthalmitis) ist eine sehr schwerwiegende Erkrankung, die vor allem durch Eröffnung des Augapfels entstehen kann, z. B. nach Verletzungen oder Operationen. Der Erreger kann auch durch die Blutbahn aus Entzündungen anderer Körperbereiche in das Augeninnere gelangen. Die Endophthalmitis kann zum Absterben von Gewebe, somit zur Blindheit oder zum Verlust des Auges führen.

  • Entzündung in der Augenhöhle
    Auch in der Augenhöhle kann sich außerhalb des Augapfels eine Infektion ergeben (Orbitaphlegmone). Diese ist oft durch Infektionen in der Umgebung bedingt. Es kommt zur schmerzhaften Lidschwellung. Die Orbitaphlegmone kann selbst wieder in umgebende Strukturen eindringen.

  • Lidabszess
    Ein Abszess ist eine abgekapselte eitrige Entzündung, die auch in der Umgebung des Auges vorkommen kann. Es kommt zu einer schmerzhaften Schwellung.

  • Gerstenkorn
    Ein Gerstenkorn (Hordeolum) ist eine akute umschriebene Entzündung von Drüsen am Lid, die durch Staphylokokken verursacht ist. Das Gerstenkorn ist in aller Regel ungefährlich.

  • Entzündung der Tränendrüse
    Eine Tränendrüsenentzündung (Dakryoadenitis) kann manchmal durch Staphylokokken oder Streptokokken bedingt sein. Die Tränendrüse ist geschwollen und schmerzhaft.

  • Entzündung des Tränensacks
    Die Tränensackentzündung (Dakryozystitis) ist eine schmerzhafte Verdickung des Tränensackes, die z. B. durch Pneumokokken verursacht wird.

Diagnostik durch den Augenarzt

Neben den Grunduntersuchungen des Augenarztes (Patientenbefragung, Sehtest, Betrachtung des Auges, eventuell Augendruckmessung) erfolgt eine spezielle Diagnostik, um den Erreger der Entzündung herauszufinden. Meist wird beim Verdacht auf eine bakterielle Entzündung ein Abstrich genommen und in das Labor geschickt. Bei Entzündungen im Auge wird Material aus dem Glaskörperraum gewonnen und zur Untersuchung in das Labor gegeben. Auch eine Blutuntersuchung ist oft sinnvoll.

Was geschieht im bakteriologischen Labor?

Der Nachweis des Erregers kann auf mehreren Wegen erfolgen. Meist wird eine Bakterienkultur angelegt und der Krankheitserreger auf einem Nährmedium angezüchtet. Aufgrund der spezifischen Eigenschaften kann das jeweilige Bakterium meist identifiziert werden. Zur schnellen Diagnostik eignet sich ein Ausstrich, bei dem die Bakterien unter dem Mikroskop bei genügender Anzahl vom erfahrenen Bakteriologen gesehen werden können. Des Weiteren gibt es noch andere Nachweismethoden für Bakterien.

Es ist sinnvoll, ein Antibiogramm anzulegen, um herauszufinden, durch welche Antibiotika die jeweiligen Bakterien bekämpft werden können und gegen welche sie resistent sind.

Behandlung von bakteriellen Infektionen am Auge

Behandelt werden die meisten bakteriellen Entzündungen mit Antibiotika. Die antibiotischen Medikamente können als Augentropfen oder Augensalbe gegeben werden. Bei schweren Entzündungen werden sie zusätzlich in Tablettenform eingenommen oder als Infusion über eine Vene verabreicht.

Vielfach muss bereits eine Therapie erfolgen, ohne dass der definitive Erreger bekannt ist. Hier werden dann Antibiotika gegeben, bei denen die besten Aussichten bestehen, dass sie die typischen Bakterien für das jeweilige Krankheitsbild bekämpfen können.

Speziell werden bei der jeweiligen Erkrankung weitere Behandlungsformen durchgeführt. So wird beispielsweise beim Abszess eine Eröffnung des abgekapselten Eiterherdes vorgenommen, beim Gerstenkorn ist eine Rotlichtbestrahlung sinnvoll. Bei einer Endophthalmitis oder bei einer Tränensackentzündung wird z. B. operiert.

Welche anderen Krankheitskeime kommen noch in der Augenheilkunde vor?

Augeninfektionen können nicht nur durch Bakterien, sondern auch durch Viren (z. B. Herpes), Pilze (z. B. Candida) und Parasiten (z. B. Toxoplasma) verursacht sein. Des Weiteren können Entzündungen des Auges oder der umgebenden Strukturen allergischer Natur sein. Nicht selten ist auch eine so genannte Autoimmunerkrankung die Ursache für eine Entzündung, also eine Erkrankung, bei der körpereigene Zellen durch das Immunsystem angegriffen und geschädigt werden. In einigen Fällen wird auch keine Ursache für eine Entzündung gefunden.

Für die jeweilige Entzündungsursache muss natürlich eine spezifisch darauf ausgerichtete Diagnostik und Therapie erfolgen.


Letzte Aktualisierung am 29.07.2015.
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A. Seibel
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Portrait Dr. med. Ingeborg Gellrich, Arztpraxis für Augenheilkunde, Psychosomatik & Psychotherapie, DIN-EN-ISO 9001:2008 zertifiziert, Konstanz, Fachärztin für Augenheilkunde | Augenärztin Dr. I. Gellrich
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